Bühne frei für Menschlichkeit

05.05.2017 |

Der BDKJ Freiburg stellt sich entschieden gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. 

Derzeit befinden sich rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht[1]; darunter viele Menschen, die vor Krieg, Gewalt und politischer Verfolgung Schutz suchen. Dennoch finden weiterhin Rüstungsexporte in eben jene Gebiete statt, aus denen Menschen vor Krieg und Vertreibung fliehen. Deutschland ist unter den vier größten Rüstungsexporteuren der Welt nach dem Stockholm International Peace Research Institute (kurz: Sipri)[2].
Flucht und Vertreibung, Krieg und Gewalt können kein Weg sein, um als Menschen diese Erde gemeinsam zu bevölkern. Um Gewalt und Krieg keine Chance zu geben, dürfen sich starke Industrienationen wie Deutschland nicht in den Rüstungsexport in Kriegsgebiete einbringen. Um in Frieden gemeinsam als Menschen auf diesem Planeten leben zu können, muss es ein solidarisches Miteinander geben. Dafür müssen starke Nationen Rüstungsexporte stoppen und Frieden nicht für Mehreinnahmen aufs Spiel setzen.
Auch in Deutschland suchen diese Menschen Schutz. Es wurden (provisorische) Unterkünfte in zahlreichen Kommunen bereitgestellt. Viele Menschen bieten denen, die nach Deutschland geflohen sind Hilfe an; bspw. in ehrenamtliche Sprachkursen Daneben stehen genau solche Unterkünfte vermehrt in Flammen. Die Menschen, die dort als Schutzsuchende untergekommen sind, wurden erneut gezielt bedroht.
Zu sehen, wie viele Menschen sich aus der Tiefe ihres Herzens heraus für Geflohene einsetzen macht froh und lässt hoffen, dass wir in einer Welt leben, in der Menschen friedvoll miteinander leben können ohne sich aufgrund ihrer Herkunft gegenseitig abzugrenzen. Dass andere Menschen in Deutschland Notunterkünfte in Brand stecken, ruft bei uns tiefes Entsetzen hervor. In einer friedvollen, modernen Welt, darf es nicht sein, dass Einzelne den Tod mehrerer Menschen in Kauf nehmen, nur weil ihr Herkunftsland ein anderes ist. Es darf nicht sein, dass Einzelne so viel Hass und Verachtung schüren und mit solchen Aktionen lauter sind als diejenigen, die Geflohene liebevoll willkommen heißen. Die Menschen, die solche Taten begehen kategorisieren andere nach ihrer Herkunft und lehnen diese ab. Oftmals bedarf es nicht einmal der konkreten Brandstiftung. Die empfundene Ablehnung wird auch weniger gewalttätig zum Ausdruck gebracht, sei es in skandierten Versen auf Demonstrationen, oder in einem abschätzigen Verhalten gegenüber anders aussehender.
In Baden-Württemberg stand der Bildungsplan zur Debatte und sah vor, sexuelle Vielfalt darin aufzunehmen. Diese Debatte zog einige Proteste nach sich, Menschen äußerten Bedenken, Kinder würden zu Homosexualität erzogen werden. Auch weiterhin wird gleichgeschlechtliche Paare nicht ermöglicht, die Ehe zu schließen, stattdessen können sie sich vermählen und fortan in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft staatlich legitimiert ihre Beziehung führen. In der katholischen Kirche ist gleichgeschlechtlichen Paaren das Sakrament der Ehe nicht zugänglich, eine Segnungsfeier ist möglich, räumt jedoch keine Gleichberechtigung ein.
Es ist erschreckend, dass Menschen in unserer Zeit Bedenken und Ängste davor äußern, Kinder könnten zu Homosexualität erzogen werden. Homosexualität ist weder eine selbstgewählte Einstellung und schon gar keine Krankheit, vor der Kinder beschützt werden müssten. Homosexualität bedeutet lediglich, dass Menschen die Liebe zum jeweils gleichen Geschlecht empfinden. Liebe darf weder verurteilt noch stigmatisiert werden. Menschen sollen die Liebe, die sie empfinden gleichberechtigt zum Ausdruck bringen können; unabhängig welches Geschlecht oder welche sexuelle Orientierung sie haben. Dass Staat und Kirche gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften nicht gleichwertig zur Ehe setzen, stellt einen Missstand dar, der behoben werden muss.
Mittlerweile halten in unsere Parlamente rechtsgerichtete Meinungen und Parteien Einzug. Besonders deutlich zeigt sich dies am Einzug der AfD in diverse Landtage.  Parteien, die sich gegen die europäische Idee  stellen und in ihren Programmen gegen sexuelle Vielfalt einstehen und  liberaleres Waffenrecht fordern.  Parteien, deren Funktionärinnen und Funktionäre den Islam und die ihn angehörigen Menschen durch Lügen und Falschaussagen diffamieren und als Feindbild missbrauchen. In Baden-Württemberg zog die  AfD in den Landtag mit 15,1%[3] der abgegebenen Stimmen der Wählerinnen und Wähler.
Dass in den Landtag Baden-Württemberg eine Partei eingezogen ist, die programmatisch gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vertritt ist ein alarmierendes Signal. Die Werte und Programmvorstellungen zeigen sich nicht nur als rückständig, sondern auch als außerordentlich gefährlich für ein friedvolles Zusammenleben. Eine Partei, die mit Populismus und vordergründig einfachen Lösungen Politik machen möchte, darf nicht so viel Macht zugeschrieben bekommen. Wir müssen uns für vielfältige Lebensentwürfe und Weltoffenheit einsetzen und uns entschieden gegen Pauschalisierungen, Hass und Hetze wehren.
Als Christ/-innen sind wir aufgrund unserer christlichen Werte und der daraus resultierenden Haltung beauftragt gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu verurteilen. Wir sind aufgerufen, in unserem alltäglichen Handeln Barmherzigkeit und Nächstenliebe an den Tag zu legen und so schon als Einzelne unseren Beitrag für ein friedvolles Miteinander zu leisten. Aus unserer tiefen Überzeugung heraus, stehen wir für Integration und Vielfalt in unserer Gesellschaft, so dass ein Leben in Fülle für alle Menschen, unabhängig ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, sexuellen Orientierung, religiösen Zugehörigkeit möglich ist. Wir möchten keine Gesellschaft, Politik oder Kirche, in denen Menschen das Recht auf ein solches Leben in Fülle entzogen wird.
Als BDKJ im Diözesanverband Freiburg und seine Mitgliedsverbände leisten wir an vielen Stellen schon einen Beitrag durch unser ehrenamtliches Engagement. Um ein noch deutlicheres Zeichen zu setzen, wollen wir als BDKJ und seine Mitgliedsverbände handeln:
  • Wir beteiligen uns an der Aktion Zukunftszeit.
  • Wir unterstützen die Aktion Aufschrei, die den Waffenhandel stoppen will.
  • Wir stellen uns entschieden gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und beziehen überall da Position, wo wir mit ihr konfrontiert werden.
  • Wir sensibilisieren im Vorfeld der Bundestagswahl für einen diskursiven Umgang mit rechtspopulistischen Parteien. Wir setzen uns dafür ein, dass die rückständigen Werte der AfD aufgedeckt werden.
  • Wir fordern Politik und Kirche dazu auf, gleichgeschlechtlichen Paaren die Ehe zu ermöglichen.
  • Wir fordern die Landesregierung und die Bundestagsabgeordneten aus Baden-Württemberg dazu auf, sich für den Stopp von Rüstungsexporten in Bundesrat und Bundestag einzusetzen.
  • Wir fordern die Bistumsleitung, sowie die Laiengremien auf Diözesanebene dazu auf, ebenfalls deutlich gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit einzustehen und sich aktiv für eine weltoffene, barmherzige Kirche einzusetzen.
Nur gemeinsam können wir als Kirche diese Ziele erreichen. Jugendverbandsarbeit steht aufgrund ihrer Werte für eine weltoffene Kirche. Es ist an der Zeit als ganze Kirche gemeinsam aktiv zu werden und Bündnisse für eine pulsierende, beflügelnde und bunte Gesellschaft zu schmieden. Aus unserem christlichen Auftrag heraus, können wir es nur gemeinsam schaffen, Populismus keinen Nährboden zu bieten und demokratische Prinzipien aufrecht zu erhalten.
Das Engagement an der Aktion „Zukunftszeit – gemeinsam für ein buntes Land“ kann nur ein Anfang sein.
[1] http://www.unhcr.org/figures-at-a-glance.html
[2] http://armstrade.sipri.org/armstrade/html/export_values.php
[3] https://www.landtag-bw.de/home/der-landtag/parlament/landtagswahl-2016.html